VISION 2020 Deutschland

1000. Patientin operiert

Diabetes-bedingte Blindheit verhüten
Dank VISION 2020 Deutschland erste Spezialabteilung für Netzhautkrankheiten in Sambia eingerichtet

KITWE - Vor zwölf Jahren wurde bei der 49-jährigen Regina Kasonde ein Diabetes diagnostiziert, sie leidet zudem noch unter Bluthochdruck. Ihre schwindende Sehkraft, wegen der sie bereits ihre Arbeit als Straßenhändlerin aufgeben musste, brachte sie nie mit dem Diabetes in Verbindung. Den Rat, einen Augenarzt aufzusuchen, hatte sie nie erhalten - bisher hatte sie allerdings auch keinen Zugang zu einer angemessenen augenmedizinischen Versorgung. Als 1000. Patientin der neuen Abteilung für Netzhauterkrankungen am Zentralkrankenhaus in Kitwe, Sambia, profitiert sie nun vom Engagement des Netzwerks VISION 2020 Deutschland.

Das Netzwerk VISION 2020 Deutschland, Teil der weltweiten Kampagne zur Überwindung vermeidbarer Blindheit, unterstützte den Aufbau der Abteilung mit 14000 Euro. Aufbauend auf diesem Betrag konnten weitere Fördermittel beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beantragt werden, um die 112000 Euro teure Retinaeinheit zu installieren. Seit dem 10. Dezember 2011 ist sie in Betrieb.

Der Leiter der Augenklinik, Dr. Asiwome Seneadza, hat die augenmedizinische Versorgung der armen Landbevölkerung in Sambia seit dem Jahr 2000 wesentlich verbessert: Wurden zu Beginn des Jahrtausends gerade einmal 5000 Patienten notdürftig behandelt, so versorgt die Klinik inzwischen bis zu 35000 Menschen jährlich entsprechend dem Stand der modernen Augenheilkunde.

Lücke geschlossen

Bis zum Dezember 2011 konnte Dr. Seneadzas Team in Sambia Menschen mit Netzhauterkrankungen allerdings in den meisten Fällen noch nicht helfen. Denn die teuren Untersuchungs- und Operationseinheiten fehlten. Das Krankenhaus konnte sich die aufwändige Ausrüstung einfach nicht leisten, auch wenn die notwendige Expertise zu ihrem Einsatz vorhanden war. Diese Lücke schloss das Netzwerk VISION 2020 Deutschland.

"Seit wir die neue Retinaeinheit haben, konnten wir die Anzahl der Netzhautoperationen verdoppeln", berichtete Dr. Seneadza bereits im Frühjahr 2012 bei einem Besuch in Deutschland. Die Abteilung ist an sechs Tagen in der Woche geöffnet und behandelt bis zu 50 Patienten täglich. Für die rund 13,5 Millionen Einwohner von Sambia ist sie das einzige Retinazentrum des Landes.

Funduskamera - Mit der Funduskamera werden detaillierte Aufnahmen des Augenhintergrunds gemacht, auf denen krankhafte Veränderungen der Netzhaut zu erkennen sind.
Screeningprogramm

Anfang 2012 konnte das Zentralkrankenhaus in Kitwe das Copperbelt diabetic retinopathy program (CDRP) etablieren. Dank der Unterstützung von VISION 2020 Deutschland können in den Bezirkskliniken in der Copperbelt-Provinz Patienten mithilfe einer digitalen Funduskamera untersucht werden. Dabei wird bei weitgestellter Pupille ein Foto des Augenhintergrundes gemacht, das Aufschluss über krankhafte Veränderungen gibt. Diejenigen Patienten, bei denen im Zuge des Screenings eine das Sehvermögen bedrohende Netzhautkrankheit erkannt wird, werden für weitere Spezialuntersuchungen und Behandlungen an das Krankenhaus in Kitwe überwiesen. Sowohl die Behandlung der Netzhaut mit dem Laser als auch die Einbringung von Anti-VEGF-Medikamenten in den Glaskörpern gehören zum Behandlungsspektrum.

Wachsende Bedeutung

Die diabetische Retinopathie zählt zur den Augenkrankheiten, denen die Kampagne VISION 2020 zunehmende Bedeutung beimisst, da der Anteil der Diabetiker auch in den Entwicklungsländern stetig ansteigt. Zu den Gründen dafür gehören die Alterung der Bevölkerung, Veränderungen des Lebensstils und auch eine verbesserte medizinische Versorgung von Diabetikern. Sie sorgt dafür, dass die Betroffenen länger mit der Krankheit leben und häufiger mit Folgekrankheiten am Auge konfrontiert sind. Auch in Sambia ist diese Entwicklung zu beobachten. Das Programm zur Früherkennung diabetischer Augenkrankheiten in der Copperbelt-Provinz zielt deshalb darauf ab, Erblindung und Sehbehinderung durch diese Krankheit mit rechtzeitiger Diagnose und Behandlung zu vermeiden.

Kopfophthalmoskop - Mit dem Kopfophthalmoskop kann der Augenarzt die Netzhaut der Patientin bis in die Randbereiche hinein genau untersuchen.
Die 1000. Patientin

Die 1000. Patientin, der das Team von Dr. Seneadza helfen konnte, war Regina Kasonde. Ihre bereits fortgeschrittene diabetische Retinopathie wurde bei Untersuchungen im Bezirkskrankenhaus in Luanshya diagnostiziert. Schon seit fast zwölf Jahren ist sie insulinpflichtig; dass die Zuckerkrankheit auch ihr Augenlicht bedroht, wusste sie nicht. Seit viereinhalb Jahren bemerkte sie zunehmende Probleme mit ihrem Augenlicht, ohne die Gründe dafür zu kennen. Im Zentralkrankenhaus in Kitwe erhielt Kasonde eine Diabetes-Schulung und ihre Augen wurden eingehend untersucht. Zu den eingesetzten Methoden gehörte die Fluoreszenzangiographie (FLA) und die Optische Kohärenztomographie (OCT). Der Sehverlust in ihrem rechten Auge konnte durch eine Laserbehandlung, die panretinale Laserkoagulation, aufgehalten werden. Im linken Auge erhielt sie drei Injektionen eines Anti-VEGF-Medikaments, wodurch ihre Sehschärfe auf diesem Auge deutlich zunahm (Visusgewinn von zwei Zeilen).

Große Errungenschaft

"Das ist eine der größten Errungenschaften im Gesundheitswesen von Sambia in den vergangenen Jahren", betont Dr. Seneadza die Bedeutung des Programms und der Netzhautabteilung: "Wir müssen die Patienten für eine wirksame Behandlung nicht mehr ins Ausland schicken. Dafür danken wir unseren Partnern, der Christoffel-Blindmission und allen voran dem Netzwerk VISION 2020 Deutschland vielmals."

Hintergrundinformationen

Das Netzwerk VISION 2020 Deutschland wird getragen von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf, dem Hilfswerk der Deutschen Lions sowie der PRO RETINA Deutschland.

VISION 2020 Deutschland ist Bestandteil der weltweiten Kampagne VISION 2020: The Right to Sight - eine Initiative, die unter der Federführung der WHO das Ziel verfolgt, vermeidbare Blindheit bis zum Jahre 2020 zu überwinden.

Für die Fluoreszenzangiographie (FLA) wird ein Farbstoff in die Armvene des Patienten injiziert, anschließend wird der Augenhintergrund bei Beleuchtung mit spezifischen Lichtwellenlängen und mit speziellen Filtern im Laufe einiger Minuten mehrfach fotografiert. So lassen sich normale und krankhaft veränderte Blutgefäße im Auge gut darstellen. Die FLA ist wesentlich für die Diagnosestellung und Therapieentscheidung bei allen Krankheiten, die mit Gefäßveränderungen im Zentrum der Netzhaut, der Makula, einhergehen. Dazu gehören die Altersabhängige Makula-Degeneration, die diabetische Makulopathie, das Makulaödem bei Venenverschluss der Netzhaut und auch die Makula-Degeneration infolge krankhafter Kurzsichtigkeit (Myopie).

Bei der optischen Kohärenztomographie (optical coherence tomography, OCT) wird die Netzhaut mit Hilfe eines Lasers abgetastet und das dabei reflektierte Licht wird gemessen. Daraus werden Darstellungen errechnet, die einem Schnitt durch die Netzhaut entsprechen. Bei etwa 50000 Einzelschnitten pro Sekunde lässt sich so eine 3D-Darstellung der gesamten Netzhaut erstellen. Die OCT ist heute wesentlich für die Diagnostik von Makula- und Netzhauterkrankungen und auch für Kontrolluntersuchungen im Verlauf der Behandlung.

Injektion von Medikamenten ins Augeninnere  - Dank der modernen Ausstattung der Retinaeinheit können die Ärzte um Dr. Seneadza im Zentralkrankenhaus in Kitwe Netzhauterkrankungen nun wirksam behandeln – beispielsweise gehört die Injektion von Medikamenten ins Augeninnere zu ihrem Behandlungsspektrum.

Anti-VEGF-Medikamente werden ins Augeninnere injiziert, um den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (vaskular endothelial growth factor, VEGF) zu hemmen, der für krankhafte Gefäßveränderungen im Zentrum der Netzhaut verantwortlich ist. Sie müssen mehrfach ins Auge gegeben werden, zunächst drei Mal im Abstand von je vier Wochen, danach abhängig vom Krankheitsverlauf.

Für die Laserkoagulation richtet der Augenarzt gezielt Laserstrahlen auf die geschädigte Netzhaut. So bilden sich Narben, deren Gewebe nur wenig Sauerstoff benötigt. Damit wird die Versorgung des umliegenden, noch intakten Gewebes verbessert. Zudem bilden sich weniger Wachstumsfaktoren, so dass die Laserbehandlung auch die Neubildung krankhafter Gefäße bremst.

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Mitglieder des Netzwerks:
Berufsverband der Augenärzte Christoffel-Blindenmission Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. Deutsches Komitee zur Verhütung von Blindheit e.V. Hilfswerk der deutschen Lions (HDL e.V.) Pro Retina Deutschland e.V.