VISION 2020 Deutschland

Englischer Text

Maßnahmen

Vermeidung von Blindheit und Sehbehinderung in Deutschland

VISION 2020 ist eine gemeinsame Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der International Agency for the Prevention of Blindness (IAPB), von Nichtregierungsorganisationen, Berufsverbänden, augenmedizinischen Einrichtungen und Firmen.

Der Zusammenschluss geht auf eine Resolution der WHO aus dem Jahr 1999 zurück, in der diese ihre Mitgliedsstaaten dazu aufruft, Komitees zur Verhütung der vermeidbaren Erblindung zu gründen und nationale Pläne zur Verhütung von vermeidbarer Blindheit zu erstellen. Unter Beachtung des Menschenrechts auf Gesundheit ist es in Einklang mit den Anliegen der WHO das Selbstverständnis und Ziel dieser Initiative, sich für die Verhütung jedes Ausmaßes von Sehverlust – einschließlich Blindheit – und eine bestmögliche rehabilitative Versorgung der von Sehverlust betroffenen Menschen einzusetzen. Letztlich geht es um die Gewährleistung der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen. Das seit dem 26.03.2009 in Deutschland zu beachtende Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen – die UNBehindertenrechtskonvention (BRK) – ist dabei handlungsleitend.

In Deutschland gehören dem Netzwerk folgende Verbände und Organisationen an:

Die Situation

Die demografische Entwicklung in Deutschland hat Auswirkungen auf die Häufigkeit und den Verlauf chronischer und altersbedingter Augenerkrankungen. Die Lebenserwartung steigt. Die Anzahl der Menschen mit chronischen Augenerkrankungen nimmt zu. Die Volkskrankheiten Altersabhängige Makula-Degeneration (AMD), Glaukom und diabetische Retinopathie betreffen mittlerweile – konservativ berechnet – annähernd 10 Mio. Menschen in unserem Land (www.woche-dessehens.de/augenkrankheiten).

Neben der demographischen Entwicklung erhöht auch der diagnostische und therapeutische Fortschritt in der Augenheilkunde den Bedarf an augenärztlicher Versorgung. Die oben genannten Erkrankungen sind inzwischen gut diagnostizierbar und überwiegend erfolgreich therapierbar. Mit einer angemessenen Versorgung der Patienten lässt sich die Zahl der Erblindungen halbieren und die Anzahl derer mit massiven Seheinschränkungen spürbar verringern.

Die Gesundheitspolitik in Deutschland vernachlässigt jedoch noch immer die Aufklärung und Früherkennung, die adäquate Behandlung, die rehabilitative Versorgung, die Förderung der Forschung und die systematische Erfassung von Blindheit und deren Ursachen.

Die Forderungen

Entsprechend der Initiative der WHO ist es dringend an der Zeit, dass auch in Deutschland ein nationaler Aktionsplan zur Verhütung jedes Ausmaßes von Sehverlust einschließlich Blindheit und für eine bestmögliche rehabilitative Versorgung der von Sehverlust betroffenen Menschen mit folgenden Schwerpunkten erstellt wird.

  1. Augenärztliche Früherkennung und Versorgung müssen allen Menschen zur Verfügung stehen und abgesichert werden. Das schließt eine nachhaltige Strategie für eine Versorgung von Patienten im ländlichen Raum und für besonders vulnerable Patientengruppen wie Pflegebedürftige (insbesondere in Pflegeeinrichtungen) und mehrfach behinderte Menschen ein. Dies umfasst deren Finanzierung und die Sicherung einer ausreichenden Zahl von Fachkräften.
  2. Der Zugang zu einer Rehabilitation nach Sehverlust ist für Menschen jeden Alters sicherzustellen. Dazu gehören insbesondere eine bedarfsgerechte Sehhilfenversorgung für alle Menschen, einschließlich derer mit geringen Einkommen, sowie die Entwicklung, Etablierung, Finanzierung und Zugänglichmachung von medizinischer, beruflicher sowie sozialer Rehabilitation nach und bei Sehverlust.
  3. Zur Weiterentwicklung und Umsetzung systemischer Ansätze der Krankheitsverhütung, - bekämpfung und -bewältigung müssen die ophthalmologische Versorgungsforschung gestärkt und Fördermittel für Studien und Modellprojekte bereitgestellt werden.
  4. Für eine bessere Strukturplanung ist zudem ein systematisches Register der Erblindung und hochgradigen Sehbehinderung zu erstellen.
  5. Es bedarf einer bundesweiten Aufklärungskampagne über die Volkskrankheiten AMD, Glaukom und Diabetische Retinopathie und der dauerhaften Verankerung dieser Krankheiten als chronische Erkrankungen im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich.
  6. Da das Verständnis von Behinderung sowohl der WHO als auch der BRK auf einer Wechselwirkung von individueller körperlicher, geistiger, seelischer oder Sinnesbeeinträchtigung mit Barrieren beruht, ist eine barrierefreie Gestaltung aller Bereiche des Lebens die zwingend notwendige Grundvoraussetzung für eine Vermeidung von Behinderung und eine gleichberechtigte Teilhabe. Eine barrierefreie Infrastruktur ist daher zu gestalten.

aktualisiert am 28.09.2018

Mitglieder des Netzwerks:
Berufsverband der Augenärzte Christoffel-Blindenmission Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. Deutsches Komitee zur Verhütung von Blindheit e.V. Hilfswerk der deutschen Lions (HDL e.V.) Pro Retina Deutschland e.V.