VISION 2020 Deutschland

Englischer Text

Maßnahmen

Weltweite Blindheitsverhütung

  1. Die Situation in den Entwicklungsländern
  2. Internationale Maßnahmen des Netzwerks VISION 2020 Deutschland<
  3. Forderungen an die deutsche Entwicklungspolitik

I. Die Situation in den Entwicklungsländern

Die meisten sehbehinderten Menschen (etwa 90 Prozent) leben in den ärmsten Ländern der Welt. Blindheit verstärkt ihre Armut noch, denn sie können nicht arbeiten oder zur Schule gehen und ihre Familie muss sie versorgen. Die Hälfte von ihnen könnte durch soeinfache Maßnahmen wie eine Operation am Grauen Star oder eine Brille wieder sehen.

Sehbehinderungen sind in Entwicklungsländern sowohl eine Ursache als auch eine Folge von Armut. Wer arm ist, hat nur schlechten Zugang zu medizinischer Versorgung, sodass viele Erblindungen aufgrund mangelnder Vorsorge auftreten. Es gibt viel zu wenig Augenärzte oder Kliniken. Selbst wenn es sie gäbe: Die meisten Menschen in Entwicklungsländern könnten beispielsweise eine Operation am Grauen Star nie selbst bezahlen. Dazu kommt die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben. Ohne Hilfe kann dieser Teufelskreis aus Armut und Behinderung nicht durchbrochen werden. Dabei lassen sich viele Ursachen von Blindheit kostengünstig behandeln oder durch Vorsorge gänzlich vermeiden. Die Augen täglich mit sauberem Wasser zu waschen verhindert z.B. Trachom. Für die Betroffenen bedeutet diese Vorsorge die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

II. Internationale Maßnahmen des Netzwerks VISION 2020 Deutschland

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1. Aufklärungsarbeit

Die Mitglieder von VISION 2020 Deutschland machen seit dem Jahr 2002 jährlich während der bundesweiten Aufklärungskampagne "Woche des Sehens" u.a. auf vermeidbare Erblindung und die Situation blinder Menschen in Entwicklungsländern aufmerksam. Ziel ist, die deutsche Bevölkerung über weltweite Blindheitsursachen und den Zusammenhang zwischen Armut und dem Risiko, zu erblinden, aufzuklären.

2. Finanzielle Unterstützung und Erschließung zusätzlicher Ressourcen

Die Mitglieder von VISION 2020 Deutschland mobilisieren Ressourcen in Deutschland. Sie rufen dazu auf, Programme zur Prävention und Behandlung von Blindheitsursachen sowie zur Stärkung von Betroffenen in Entwicklungsländern finanziell zu unterstützen.

3. Fachliche Unterstützung

III. Forderungen an die deutsche Entwicklungspolitik

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Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) betont in seinem Aktionsplan „Inklusion von Menschen mit Behinderungen“ (2013), dass sich Prävention und Inklusion ergänzen. Damit misst das BMZ sowohl der Prävention und  Rehabilitation, die Funktionsbeeinträchtigungen vermeiden oder reduzieren können, als auch der Inklusion von Menschen mit bereits bestehenden Behinderungen eine gleichwertige Bedeutung bei. (1)

Daher richten wir die folgenden Forderungen an die Bundesregierung:

Die Entwicklungszusammenarbeit muss inklusiv gestaltet werden.

2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ratifiziert und muss sie umsetzen. Dazu wurde ein Nationaler Aktionsplan (2) entwickelt, der auch die internationalen Aspekte aufgreift (3). Darauf aufbauend hat das BMZ einen eigenen Aktionsplan für die Entwicklungszusammenarbeit entwickelt, der 2013 veröffentlicht wurde. Ein Kriterium bei der Vergabe von Mitteln muss sein, dass von den geförderten Projekten oder Programmen auch blinde und sehbehinderte Menschen profitieren können.

Nationale Blindheitsverhütungspläne schaffen und umsetzen:

Das BMZ sollte bei bilateralen Regierungsgesprächen und in Verhandlungen um multilaterale Instrumente der Entwicklungszusam-menarbeit darauf hinwirken, dass nationale Blindheitsverhütungspläne erstellt und Finanzierungsmechanismen für die Prävention und Heilung von Blindheit in den Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit geschaffen werden. Die technische Zusammenarbeit sollte in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Fachorganisationen Expertise in Blindheitsver-hütung vorhalten. Auch über die finanzielle Zusammenarbeit sollte Blindheitsverhütung als integraler Bestandteil in die nationalen Gesundheitssysteme aufgenommen werden.

Post-2015 Entwicklungsrahmen inklusiv gestalten:

Die meisten Staaten und Organisationen orientieren sich in ihrer Entwicklungszusammenarbeit an der Millenniums-Erklärung der Vereinten Nationen und an den Millennium Development Goals (MDG). (4) Leider wird in den MDG, die 2015 auslaufen werden, weder das Thema Behinderung noch das Thema Blindheit erwähnt.. Derzeit ist der Diskussionsprozess dazu angelaufen, wie ein Entwicklungsrahmen nach 2015 gestaltet sein soll. Da behinderte Menschen häufig zu den am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen zählen, sollten sie dringend im neuen Entwicklungsrahmen explizit berücksichtigt werden.
Wir fordern die Bundesregierung auf, sich auf internationaler Ebene verstärkt für die Einbeziehung der Blindheitsverhütung und Rehabilitation blinder Menschen in den post-2015 MDG-Prozess einzusetzen.

Armut bekämpfen heißt Blindheit verhüten.

Zielvorgaben zur Blindheitsverhütung und Rehabilitation blinder Menschen müssen in die Poverty Reduction Strategy Papers (PRSPs) (5) aufgenommen werden. Am Konsultationsprozess der Regierung mit ihrer Zivilgesellschaft sollten Nichtregierungsorganisationen teilnehmen, die in der Blindheitsverhütung oder für die Interessen blinder Menschen tätig sind. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich dafür einzusetzen, dass diese Interessenvertreter am Konsultationsprozess beteiligt werden.


(1) Vgl. BMZ-Strategiepapier 1/2013, „Aktionsplan zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen (Laufzeit 2013-2015)“, S. 9.

(2) Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2011), „UNSER WEG IN EINE INKLUSIVE GESELLSCHAFT: Der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention“.

(5) PRSP ist die Abkürzung für „Poverty Reduction Strategy Paper“, deutsch: Strategiepapier zur Armutsminderung. In den PRSPs wird festgehalten, welche Maßnahmen zur Reduzierung der Armut von der Regierung unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft getroffen werden. Vgl.: GTZ im Auftrag des BMZ (Hrsg.): Behinderung und Entwicklung. Ein Beitrag zur Stärkung der Belange von Menschen mit Behinderungen in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, November 2006, S. 7.


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aktualisiert am 24.06.2013

Mitglieder des Netzwerks:
Berufsverband der Augenärzte Christoffel-Blindenmission Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. Deutsches Komitee zur Verhütung von Blindheit e.V. Hilfswerk der deutschen Lions (HDL e.V.) Pro Retina Deutschland e.V.